©Kein & Aber

 

Ein Wochenende

von Charlotte Wood

Verlag Kein & Aber

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 09.05.2020

Charlotte Wood stammt aus New South Wales, Australien. Sie lebt mit ihrem Mann in Sydney. Die Journalistin ist Autorin von mehreren Büchern. International gelang ihr im Jahre 2016 der Durchbruch mit dem Titel "Der natürliche Lauf der Dinge". Im vorliegenden Roman geht es um die Freundschaft von vier Frauen, deren Biografien unterschiedlicher nicht hätten sein können. Dennoch scheint es so zu sein, dass es genau diese krassen Gegensätze sind, die diese Freundschaft geprägt haben. 

Da ist die kultivierte Jude, die gefeierte Schauspielerin Adele, die intellektuelle Wendy und die warmherzige Sylvie. Dass der Zusammenhalt dieses Viererkleeblatts über Jahrzehnte hinweg so gut funktioniert hat, ist zu einem nicht unerheblichen Teil Sylvies fürsorglicher Art zu verdanken. Richtig klar wird das den Freundinnen allerdings erst, als ausgerechnet Sylvie stirbt. Was ein gemeinsames Wochenende der übrig gebliebenen drei Freundinnen in Sylvies altem Strandhaus alles zu Tage fördert, ist in vielerlei Hinsicht beachtlich und genau davon handelt dieser Roman. Von ungebetenen Gästen und von zu viel Wein ganz abgesehen, wird die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt, denn ein über die Jahre hinweg gehütetes Geheimnis kommt jetzt ans Licht. 

Mit diesem Roman legt der Verlag Kein & Aber die deutsche Erstausgabe des 2019 in der australischen Originalausgabe erschienenen Titels"The Weekend" vor. Es ist mir schon öfter passiert, dass ich mich beim Lesen etwas schwer getan habe bei Büchern, die aus dem Englischen oder aus anderen Sprachen übersetzt wurden. Leider ging allzu oft durch die Übersetzungen "das Salz in der Suppe" verloren, was sich nicht gerade vorteilhaft auf meine Leselust auswirkte. In diesem Fall ist das allerdings anders, denn Brigitte Walitzek hat es ausgezeichnet verstanden, den Inhalt aus dem australischen Englisch eloquent in die deutsche Ausgabe zu transportieren. Ich hatte jedenfalls keinen Moment das Gefühl, es hier mit einer "Übersetzung" zu tun zu haben, sondern konnte den zeitlosen Drama-Stoff so genießen, wie es sich die Autorin für ihre Leser sicher gewünscht hat. Diese deutsche Erstausgabe steht meiner Ansicht nach der mit leichter Hand geschrieben Originalfassung in keiner Weise nach.

 

 

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