Und find es wunderbar

Von: Ingrid Steeger

Verlag: Lübbe

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 04.12.2019

 

Ingrid Steeger geriet immer wieder in die Schlagzeilen und war über Jahrzehnte hinweg für die Yellow Press ein Garant für Sensation, Aufmerksamkeit und Auflage. Dass sie schon lange in die Schuhe des Klimbim-Stars aus den Siebzigern nicht mehr passte, weder als Schauspielerin noch als Mensch, das haben nur Wenige begriffen. Und noch weniger begriffen hat man sicherlich die Tatsache, dass sie in diese Schuhe von Anfang an nie wirklich reingehört und hinein gepasst hat. Dennoch war es die Klimbim-Zeit, durch die sie bekannt wurde, aber auch die Zeit, in der sie viel gelitten hat und die dafür verantwortlich ist, dass sie den Stempel "Klimbim" nicht mehr los wurde.

Im Vorwort ihres Buches schrieb Ingrid Steeger im Sommer 2013, wie wichtig dieser Rückblick auf ihr Leben für sie gewesen ist, um sich selbst und anderen die Frage zu beantworten: Wer ist denn nun diese Steeger? Sie wollte einmal alles genau so sagen, wie es für sie war und ist. Einmal nicht nur das tun, was andere von ihr erwarten! Ingrid Steeger verrät uns, dass ihre Erinnerungsmaschine zu laufen begann, zwischendurch immer mal ins Stocken geriet, aber sie sich nach Beendigung der Biografie letztendlich wie ein anderer Mensch fühlte.

Im April 1947 erblickte sie als Ingrid Anita Stengert im Nachkriegsdeutschland das Licht der Welt und wurde in eine Berlin lebende (k)eine schrecklich nette Familie hineingeboren, die auf engstem Raum, nämlich in einer Einzimmerwohnung, miteinander auskommen musste. Das erste Kapitel erzählt von ihrer Kindheit zwischen Trümmern, aber auch von mangelnder Liebe in der Familie, von Schlägen und davon, dass nach außen hin immer der Schein gewahrt werden musste. Die Begriffe Scham, Armut und Angst spielten schon früh eine Rolle.

Dass Ingrid Steeger nicht die Ulknudel vom Dienst ist, die als Sexsymbol und Blondine der Nation bekannt wurde, das wird jedem Leser schnell klar, der in diese Biografie eintaucht. Es geht hier um eine Frau, die Zeit ihres Lebens immer mehr gegeben hat als sie zurück bekam. Nach der Liebe ihres Lebens hat sie immer gesucht und dreimal scheinbar auch gefunden. Aber eben nur scheinbar! Alle drei Beziehungen waren zum Scheitern verurteilt. Es ging um Macht und Ohnmacht in ihren Beziehungen, um eine unerfüllte Sehnsucht nach Geborgenheit und um vieles mehr. Ingrid Steeger nimmt kein Blatt vor den Mund, erzählt in einer offenen, teilweise zwischendurch anrührenden, aber manchmal auch schockierenden Weise aus ihrem Leben. Diese Frau weiß wie es ist, ganz oben zu sein. Sie weiß aber auch, wie weh es tut, tief zu fallen.

Der Klappentext auf der Rückseite dieser berührenden Geschichte schließt mit Ingrid Steegers Worten: "Was ich wirklich empfand, das wusste kaum einer."

Ich finde diese 301 Seiten lange Autobiografie beeindruckend und spannend genug, um sie mit gutem Gewissen weiter empfehlen zu können. Manchmal habe ich mich mittendrin beim Lesen gefragt: Bleibt dieser Frau letztendlich nur noch Resignation? Gibt es für sie überhaupt noch Hoffnung? Aber diese Fragen hat Ingrid Steeger wohl selbst ganz klar beanwortet mit den Worten: "Hinfallen ist erlaubt - Aufstehen ist Pflicht!"

 

 

 

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