Mittlere Reife

Von Isabel Varell

Verlag: Piper

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 26.11.2019

 

Als langjähriger Freund und Vertrauter der Autorin hat Hape Kerkeling das Vorwort verfasst. Darin weckt er nicht nur unsere Neugier auf diese 316 Seiten lange Biografie, sondern fordert uns als Leser auf, dass wir uns anstecken lassen sollen von Isabels versöhnlicher Natur.

Das Buch hält auch tatsächlich was es verspricht. Die Autorin versteht es blendend, uns beim Lesen an ihrer optimistischen und begeisterungsfähigen Lebenseinstellung teilhaben zu lassen. Gleichzeitig lernen wir aber auch eine andere, eine nachdenkliche Isabel Varell kennen, nämlich eine Frau, die sich entschlossen hat, niemals Mutter zu werden.  Offen spricht sie über Hoch und Tiefs in ihrem Leben, die einem fast wie eine Achterbahnfahrt vorkommen mögen.  In sieben Kapiteln nimmt uns Isabel Varell mit auf ihren ganz persönlichen Spielplatz des Lebens. Ein ganzes Kapitel widmet sie ihrer Zeit mit Drafi Deutscher, die in einer Ehe mündete, welche dann letztendlich doch zum Scheitern verurteilt war. Die Alarmglocken klingelten zwischendurch zwar immer mal wieder, aber die Faszination und die Liebe zu diesem charismatischen Mann zogen die damals 28jährige Isabel in ihren Bann und hielten sie gefangen. Ihre Gefühle jagen mit Überschallgeschwindigkeit durchs Universum. So beschreibt sie ihre Empfindungen, die wohl kaum einen Leser kalt lassen werden. Obwohl ihr einiges in Drafis Welt bizarr vokam, ahnte sie noch nicht, wie eng Himmel und Hölle beieinander liegen können. In dieser Beziehung musste Isabel die schmerzhafte Erfahrung machen, dass eine starke Liebe den Kampf gegen eine Sucht zwar aufnehmen und auch einige Zeit aushalten kann, aber nicht zwangsläufig gewinnen muss.

Isabel Varell begegnet uns in dieser Biografie als mutige, lebensbejahende Frau mit Tiefgang, die das Herz am richtigen Fleck hat. Sie hat es verstanden, sich immer eine unbeschwerte fast kindlich wirkende Art zu erhalten, die selbst beim Lesen dieses Buches spürbar ist. Unterhaltsam, aber keineswegs oberflächlich erzählt sie uns von ihrer Rolle als Andrea Weller in der ARD-Serie „Rote Rosen“, von ihren Erfahrungen im Dschungelcamp, aber auch von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Hospiz. Die Autorin lässt sich in ihrer Vielfältigkeit in keine Schablone pressen und dass sie sich auch als Marathon-Läuferin beweisen konnte, wissen sicher die wenigsten. Dementsprechend spannend, lebendig und abwechslungsreich liest sich diese Biografie. Vielleicht mag manch ein Leser ein paar Fotos vermissen, wie es in einigen Biografien üblich ist. In dem vorliegenden Buch wurde darauf verzichtet, was der Qualität des Werkes aber in keiner Weise schadet. Im Gegenteil: Bilder sind in diesem Buch überflüssig, denn man hat sie beim Lesen ohnehin vor Augen.

Nach oben