Kopf schlägt Kapital

von Günter Faltin

Carl Hanser Verlag

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 30.07.2020


Dieses 2017 als Neuausgabe im Hanser Verlag erschienene Buch gelangte mehr oder weniger auf Umwegen und rein zufällig zu mir und lag schon eine Weile unbeachtet und damit auch ungelesen auf einem entsprechenden Bücherstapel im Regal. Das Buch erschien mir auch in meinen Händen irgendwie fehl am Platz, denn ich habe als Ruheständlerin weder vor zum Social Entrepreneur zu avancieren, noch bin oder war ich jemals ein Zahlenmensch oder eine knallharte Geschäftsfrau mit Dollarzeichen in den Augen. Irgendwie hat das Buch es aber doch geschafft, mein Interesse zu wecken und ich muss sagen: Ich habe nicht bereut es zu lesen und glaube, dass es gerade jetzt in wirtschaftlich gebeutelten und unsicheren Zeiten vielen (nicht nur den jungen) Menschen ein paar wertvolle Denkanstöße liefern kann.


Der Autor ist selbst ein erfolgreicher Unternehmer und weiß genau wovon er spricht, denn Prof. Faltin lehrt Unternehmensgründung an der Freien Universität Berlin. Seine Worte: "Heute sind Unternehmensgründungen möglich, die nicht von Kapital und Technologie, sondern von der Kreativität und den Ideen ihrer Gründer geprägt sind....Erfolgreiche Unternehmen entstehen im Kopf. Je besser eine unternehmerische Idee ist, je durchdachter und ausgearbeiteter, je mehr sie einem vollendeten Kunstwerk gleicht, desto mehr wird sie sich durchsetzen." Im Buch wird das Unternehmen Teekampagne/Projektwerkstatt GmbH beschrieben, welches im Jahre 2009 mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet wurde.


Die Einleitung beginnt mit dem alten Satz aus der Antike "Viele Wege führen nach Rom". Nachdem die erste Überschrift "Eigentlich muss man verrückt sein" mich zunächst nur neugierig machte, hatte mich das Buch bereits gepackt und ich las weiter. Hin und wieder entdeckte ich sogar noch Parallelen und erinnerte mich an meine eigenen ersten Schritte vor rund 20 Jahren, als ich meinen Verlag ins Leben rief. Die Zeit ist nicht stehen geblieben, vieles aus "meiner Zeit" ist heute ein alter Zopf, aber dennoch: Es wurden Erinnerungen wach. Hätte ich damals dieses Buch zur Verfügung gehabt, wäre das sicherlich hilfreich gewesen. 

Nach dem Vorwort zur Neuausgabe gliedert sich das Buch in elf Kapitel mit folgenden Überschriften: 1. Einleitung, 2. Fallstudie Teekampagne, 3. Konzept-kreative Gründungen, 4. Stiefkind Konzept - Es lohnt, an der Idee zu arbeiten, 5. Der Überforderungsfalle entgehen, 6. Gründen mit Komponenten, 7. Im Konzert der Großen mitspielen, 8. Wie Sie Ihr eigenes Ideenkunstwerk schaffen, 9. Setzen Sie sich für ein Anliegen ein - "Go for a cause", 10. Von Denkgewohnheiten Abschied nehmen, 11. Aufforderung zum Tanz. Jedes Kapitel behinhaltet entsprechende thematische Unterpunkte. Im Anhang befinden sich noch wertvolle Hinweise, u.a. ein Interview mit Professor Muhammud Yunus.


Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt und hätte ich mich nicht längst aus dem Berufsleben verabschiedet und wäre ein paar Jahre jünger, wer weiß, womöglich hätte es mich inspiriert, der einen oder anderen Idee aus meinem Kopf noch eine Chance zu geben. Ich kann dieses Buch uneingeschränkt jedem empfehlen, der sich schon mal mit dem Gedanken an eine Selbständigkeit befasst hat und das Beste aus seinen Fähigkeiten machen möchte. Es ist in Zeiten wie diesen aktueller denn je.


Nach oben