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Dem Leben ins Gesicht gelacht

von: Liselotte Pulver

Verlag: Heyne

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 31.05.2020


Peter Käfferlein und Olaf Köhne besuchten Liselotte Pulver in einer noblen Altersresidenz am Rande Berns, die mittlerweile ihr Lebensmittelpunkt ist. Dort verbrachten sie unvergessliche Nachmittage bei Kaffee und Schweizer Eiskonfekt und sprachen mit der für ihr Lachen bekannten Schauspielerin über Stationen ihrer großen Karriere, über persönliche Schicksalsschläge, aber auch über beste Freunde, die wahre Liebe und die Tragik des Lebens allgemein. Lieselotte Pulver gewährt in diesen sehr persönlichen Gesprächen Einblicke in ihr Leben, was mit privaten Fotos und Briefen im Buch lebendig dokumentiert wird. Lebendigkeit ist sowieso ein Begriff, den wohl jeder sofort mit Liselotte Pulver in Verbindung bringt, denn ihr ansteckendes Lachen hat sie sich bis heute bewahrt.


Der Inhalt überzeugt im Interview-Stil durch eine natürliche und frische Erzählweise, aber auch die ernsten Passagen wirken nicht düster, sondern optimistisch. Dass Liselotte Pulver mit Filmen wie "Ich denke oft an Piroschka" oder "Das Wirtshaus im Spessart" Filmgeschichte schrieb, das dürfte den meisten Lesern bekannt sein. Aber in diesem Buch gibt es noch viele andere, eher unbekannte Seiten zu entdecken. Zum Beispiel habe sie sich nie als Vorbild gesehen verrät uns Liselotte Pulver, denn sie brauche selbst eins. "Ich bin als Vorbild ungeeignet, denn ich habe viel zu viele Fehler und bin zu unperfekt, als dass sich andere an mir ein Beispiel nehmen sollten." Auf die Frage, wer denn im Moment ein gutes Vorbild wäre, antwortete Lilo Pulver: "Angela Merkel! Sie ist für mich eine Ausnahmeerscheinung."

Obwohl sie sich selbst nicht als politischen Menschen bezeichnet, gab es im Leben der Schauspielerin doch auch immer wieder Begegnungen mit der Politik. So kam es 1966 zu einem Empfang im Bundeskanzleramt, weil sie Konrad Adenauer gern persönlich kennen lernen wollte. "Weil mich seine Persönlichkeit interessierte und weil ich wissen wollte: Wie ist er wohl, wenn man ihm gegenübersteht? Mein Wunsch hatte keine politischen Beweggründe." Mit Hans-Dietrich Genscher verband Liselotte Pulver eine langjährige Freundschaft. Ein Brief, den Hans-Dietrich Genscher wenige Wochen vor seinem Tod an seine Freundin Lilo schrieb, ist im Buch nachzulesen. 


Die zahlreichen zum Teil sehr persönlichen Bilder bereichern dieses Buch und machen es zu einem Vermächtnis, aber nicht nur das: Auch Schauspiel-Kollegen und Lilos Sohn Marc-Tell, dem sie dieses Buch gewidmet hat, kommen  zu Wort. Am Ende des Buches sind in einer Filmographie die Filme von 1949 bis 1996 noch einmal aufgelistet, in denen Liselotte Pulver gespielt hat. Der erste Film 1949 hieß "Swiss Tour" (Ein Seemann ist kein Schneemann) und der letzte Film 1996 war "Das Superweib".


Mich haben die privaten und beruflichen Erinnerungen von Liselotte Pulver sehr beeindruckt und haben das Bild, das ich ohnehin von ihr hatte, noch einmal bestätigt und aberundet. Wir haben es hier nicht nur mit einer großartigen Schauspielerin mit Ausnahmetalent zu tun, sondern gleichzeitig mit einer liebenswerten und natürlichen Persönlichkeit, die keine Starallüren braucht, um sich wohl zu fühlen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, der Lilo Pulver nicht mag. Das Buch ist beeindruckend, absolut lesenswert und sicher nicht ohne Grund auf der Spiegel-Bestseller-Liste gelandet.





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