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Panikrocker küsst man nicht

von: Maria Bachmann

Verlag: Goldmann

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 10.03.2020

 

"Wie mich die wilde Liebe ins Leben katapultierte" heißt es im Untertitel dieses Buches von Maria Bachmann. Diese Aussage bringt genau das auf den Punkt, was den Leser erwartet. Die junge Maria kann sich in der Provinz nicht entfalten, träumt von einem anderen Leben, ist auf der Suche nach Freiheit und Erfüllung. Was es genau ist, wonach sie sich sehnt, das weiß sie selbst nicht so genau, denn sich selbst hat sie noch nicht gefunden. Bei diesem Buch handelt es sich um eine 2020 erschienene aktualisierte Neuauflage.

Als junges Mädchen sitzt Maria am Küchentisch der Eltern und tippt ihre Bewerbung an die Gemeindeverwaltung ihres Heimatortes. Dazu hatten ihr die Eltern geraten. "Im Büro hast du früh Feierabend!". Schon beim Tippen hofft Maria auf eine Absage. Allein der Gedanke, nun bis zum Rentenalter in dieser Eintönigkeit ihr Dasein fristen zu müssen, bereitet ihr Unbehagen. Nein, so soll ihr Leben nicht aussehen! Sie fasst den Entschluss, schon mal für die "große Welt" zu üben und wagt den Schritt in eine Arztpraxis in der nahegelegenen Nachbarstadt. Dort absolviert sie eine Ausbildung zur Artzhelferin. Dass die Arbeit im weißen Kittel, Röntgenbilder sortieren und das Labor putzen ihr nicht wirklich das große Lebensgefühl bringen, das merkt Maria schnell, denn nach Feierabend wartet wieder die trostlose Enge des Heimatdorfes auf sie. Das kann doch nicht alles sein! Es scheint einen Ausweg zu geben. Das Arbeitsamt bietet ihr eine Umschulung zur Krankenschwester in Freiburg an. Freiburg! Maria überlegt nicht lange, ergreift die Chance und packt ihre Koffer. Bloß raus aus dem Kaff! Die Eltern sind untröstlich: "Mach des net, du kannst des net, des is so weit weg...."

Maria sortiert gerade die Tablettenrationen für die Patienten, als sie von einer Kollegin gefragt wird, ob sie Lust hat, mit in ein Konzert zu gehen. Gerhard Lotus (diesen Decknamen hatte Udo Lindenberg 1991 kurz vor Druck der Erstausgabe für gut befunden), der Sänger mit dem verklärten Scheiß-Egal-Blick, gibt ein Konzert. Klar will Maria mit, denn immerhin hat sie eine LP von ihm.

Es ist der Beginn einer leidenschaftlichen Begegnung. Maria landet im Tourbus der Band, dann in Udo Lindenbergs Armen. Auch wenn schöne und schmerzliche Erfahrungen in dieser besonderen Beziehung Hand in Hand gehen, so ist es doch letztendlich die Verbindung zu Udo, die dafür verantwortlich ist, dass sich Maria Bachmann ihre eigenen Träume erfüllen konnte. Heute arbeitet sie als Autorin, Schauspielerin und macht Coaching für Menschen, die ihre wahre Motivation suchen. Udo  Lindenberg über Maria Bachmann im Dezember 2019: "Maria war damals schon 'ne Schlau-Frau, erst 'n bisschen schüchtern vom Kartoffelacker in die Großstadt, künstlerisch, immer neugierig auf die Wundertüte des Lebens. Heute gibt sie den Leuten viel Energy, Fraktion 'Durchblick und Unbescheidenheit'. Coole Compagnera mit Seelen-Tieftaucher-Lizenz und Abenteuergeist. Das brauchen wir heute."

Ich denke, treffender hätte wohl niemand die Persönlichkeit dieser Autorin beschreiben können. Maria Bachmann hat mich mit ihrem Buch in ihren Bann gezogen. Ich habe es gern gelesen und es kam nicht ein einziger Moment der Langeweile auf. Man taucht als Leser in die Erfahrungswelt der Autorin ein, schnuppert nebenbei und ganz selbstverständlich ein wenig "Panik-Rocker-Luft" und erfährt, dass Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen ganz viele Gesichter haben können.

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