Pappherz

von Konstantin Sergienko

Verlag: Artem

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 09.12.2019

 

Der Kölner Artem Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Werke des russischen Schriftstellers Konstantin Sergienko (1940 -1996) dem westeuropäischen und internationalen Publikum zugänglich zu machen. Das scheint wie ein großes Geschenk, denn es wäre in der Tat mehr als schade, wenn uns die tiefgründigen Geschichten dieses in seiner Heimat so populären Autors vorenthalten geblieben wären. In der Rubrik "Über den Autor" wird Konstantin Sergienko als einer der letzten unverstellten Romantiker unserer Kinderbuchliteratur beschrieben, als einer von denen, die sich nicht scheuen, von Sonnenuntergängen und großen Gefühlen zu schreiben. Auch was es darüber hinaus auf den Seiten 76 bis 80 über ihn zu lesen gibt, zeigt uns als Leser, dass dieser Autor es selbst war, der Zeit seines Lebens auf der Suche nach den essentiellen Dingen war, die zweifelsfrei existieren, sich aber kaum einfangen und in Worte fassen lassen.

"Pappherz" ist ein lyrisches Märchen über einen Menschen aus Pappe mit Kleidung aus Papier, der irgendwie in eine unbekannte Stadt geraten ist. Der kleine Pappmann fürchtet aus gutem Grund den Regen, denn man kann sich leicht ausmalen, was mit Pappe und Papier bei Nässe passiert. Seine Geschichte erzählt uns dieser Pappmensch in der Ich-Form und man fiebert regelrecht mit ihm auf seinem Weg durch dieses faszinierende und wunderschöne Märchen. Beim Lesen hielt ich ganz unbewusst mehrmals inne und wurde automatisch an meine eigene Kindheit erinnert. Das ist zwar lange her, und es war ein anderes Buch, aus dem mir meine Mutter damals vorgelesen hat, aber es war auch von einem russischen Autor.

Die Dialoge, die der kleine Pappmensch mit anderen Figuren führt, insbesondere mit einem kranken Mädchen, mit dem er sich angefreundet hat, wirken kindlich anrührend, aber auch als Erwachsener fühlt man sich regelrecht angezogen und möchte nicht aufhören, weiter zu lesen. Wie es letztendlich dazu kam, dass ein teerosenfarbener Stern, nämlich das Pappherz, am Himmelszelt aufzog , davon handelt diese Geschichte.

Das Buch ist ansprechend gestaltet und wunderschön farbig bebildert, was besonders die Kinder begeistern wird. Die Illustrationen sind von Viktor Pivovarov und die Übersetzung aus dem Russischen von Lars Nehrhoff.

Mein Fazit: Dieses Märchen dürfte Jung und Alt gleichermaßen bezaubern.

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