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Schabrackenblues

Von: Brigitte van Hattem

Verlag: BoD

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 05. April 2020

 

Silvia Maier ist 55 Jahre alt, Single, Lehrerin in einer Berufsschule und kann sich mit den Begleiterscheinungen, von denen Frauen in diesem Alter betroffen sind, nur schlecht abfinden. Voller Inbrunst stimmt sie deshalb  im Kreise ihrer Freundinnen nur allzu gern den Schabrackenblues an, was quasi ein Abgesang auf die Jugend und die besten Jahre der Frau ist, denn es geht um die Wehwehchen der Wechseljahre, um Krankheiten allgemein und um den Verfall im Alter. Und davon können natürlich auch Silvias Freundinnen ein Lied singen. Aber nicht nur die, sondern ganz bestimmt auch die meisten Leserinnen. Der Schabrackenblues kennt nur eine Tonart und das ist Moll.

Ich habe beim Lesen dieses Buches jede Menge Tränen vergossen, aber nicht weil ich weinen musste, sondern weil ich mich vor Lachen nicht mehr halten konnte. Die Autorin hat die seltene Begabung, die einzelnen Strophen (so bezeichnet sie die Kapitel) so lebendig, spannend und humorvoll zu erzählen, dass man sich bestens unterhalten fühlt und dabei gleichzeitig köstlich amüsiert. So mancher Strophe folgt dann ein Intermezzo oder ein Outro und passende Zitate, wie z.B. eins von Karl Dall "Man wird alt, wenn die Leute anfangen zu sagen, dass man jung aussieht" lockern den Inhalt noch weiter auf.

Brigitte van Hattem versteht es in diesem Band, welcher alle drei Teile des Schabrackenblues umfasst, nämlich September, Oktober und November, die Leserin auf 330 Seiten durchgängig bei Laune zu halten. Egal, ob es sich um Hitzewallungen, Besuch beim Beauty-Doc, Hormone, Gewichtsprobleme, Schlafstörungen, unerwünschte Haare an Oberlippe und Kinn, Bluthochdruck, Senioren-Bob oder um die Oberarme handelt, die nun mitzuwinken scheinen: es wird mit so viel Schwung erzählt, dass hier kein Auge trocken bleibt. Aber da gibt es nicht nur die Protagonistin Silvia und ihren fetten Kater Olifant, kurz FKO genannt, sondern auch ihre Freundinnen Katrin, Regine und Birte, aber auch die Cousine Marion. Im Leben der Frauen ist inclusive Liebesfreud und Liebesleid ziemlich viel los. Es scheint so, dass der Schabrackenblues die Freundinnen zwar verbindet, aber es ihnen letztendlich doch auch ganz gut gelingt, ihn seltener anzustimmen und stattdessen das Leben auch im reifen Alter lebenswert zu finden.

Hier wartet leichte (keine seichte!) Unterhaltung mit Niveau, ansprechend und frisch geschrieben, ganz ohne Rührseligkeit, dafür mit einer gehörigen Portion Humor. Dieses Buch bietet sich an als unbeschwertes Lesevergnügen für Frauen im besten Alter.

 

 

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