Von der Gosse ins Schloss Bellevue

Bilanz eines vermeintlich hoffnungslosen Säufers

Von Rolf D. Bollmann

Verlag: BoD

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 25.06.2019

Bei dem Autor handelt es sich um einen mehr als 25 Jahre trockenen Alkoholiker, der im Alter von 78 Jahren nun Bilanz zieht und auf ein nicht alltägliches Leben zurück blickt, in dem der Alkohol ein großes Thema war. Der ehemalige Manager eines US-Konzerns "versoff" zwei Ehen, fuhr mehrere Autos zu Schrott und verlor letztendlich auch seinen Job. Er landete buchstäblich in der Gosse. Wie es möglich war, aus dieser Situation wieder herauszukommen und in späteren Jahren sogar für die Arbeit mit Alkoholkranken vom ehemaligen Bundespräsidenten, Dr. Johannes Rau, im Schloss Bellevue empfangen und geehrt zu werden, das schildert Rolf Bollmann eindrucksvoll in diesen biografischen Aufzeichnungen.

Das Buch scheint keinen Anspruch auf Chronologie zu haben, was aber beim Lesen nicht stört. Im Gegenteil: Seite für Seite ist man mittendrin in spannenden Momentaufnahmen einer Story, der sich wohl kaum ein Leser entziehen kann. Die einzelnen Episoden reihen sich mit themenbezogenen Überschriften aneinander, werden flüssig erzählt und verführen dazu, dieses Buch nicht mehr aus der Hand zu legen. Spannend, unterhaltsam, informativ, aber vor allem berührend nimmt uns der Autor mit in die Welt des Alkoholismus, zunächst in seiner Rolle als Selbstbetroffener, später als Leiter eines Genesungszentrums für Alkoholkranke auf Mallorca und als erfahrener Suchttherapeut. Als Leser spürt man die Intention des Autors, mit diesem Buch nicht nur eine Biografie vorzulegen, sondern vor allem aufzuklären und Verständnis und Interesse zu wecken für eine der schlimmsten Krankheiten unserer Zeit: Alkoholismus. Im Klappentext steht: "Dieses Buch geht unter die Haut". Das kann ich uneingeschränkt bestätigen!

 

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