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Was bleibt ist die Liebe

Von: Susanne Juhnke

Verlag: Heyne

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 26.Februar 2020

 

Der Untertitel des Buches lautet: Wie ich meinen Mann an das Vergessen verlor. Zum ersten Mal erzählt Susanne Juhnke in diesem bereits im Jahre 2016 erschienenen Buch davon, wie sie es erlebt hat,  ihren geliebten Mann Schritt für Schritt zu verlieren. Zunächst waren es die Gedächtnislücken, die Realitätsverluste, Desorientiertheit und später der Rückzug in seine eigene Welt. Susanne Juhnke spricht von einem doppelten K.-o.-Schlag am 27. Juli 2000. An diesem Tag stand Haralds Diagnose fest: Wernicke-Korsakow-Syndrom, eine sogenannte aktue Enzephalopathie, eine Störung der Gehirnfunktionen. Haralds Gehirn war irreversibel geschädigt, eine Folge der jahrelangen Alkoholkrankheit. Ein doppelter K.-o.-Schlag deswegen, weil das Gedächtnis für einen Schauspieler eines der wichtigsten Instrumente ist, zum anderen ein privater K.-o.-Schlag, denn die Folgen für das gemeinsame Leben waren nicht mehr absehbar.  Harald Juhnke starb am 01. April 2005.

Mit dem Tag der Diagnose begann ein fast fünf Jahre langes Abschiednehmen, eine unsagbar schwierige Zeit, in der Hoffnung und Verzweiflung Hand in Hand gingen. Haralds klare Momente wurden weniger, die Krankheit nahm ihren Lauf. Anfangs noch strahlte Harald über das ganze Gesicht, wenn er Susanne sah, am Ende drückte er fest ihre Hand. "So schwer und so weit ein Weg auch ist, man geht ihn Schritt für Schritt." Das sagt Susanne Juhnke über die letzten fünf Jahre mit ihrer großen Liebe. Sie hat ihren Mann trotz all der Tragik bis zum Schluss liebevoll begleitet.

Das fünfte Kapitel heißt "Meine Liebe geht neben mir, untergehakt" - Erinnern und vergessen. Es ist unmöglich, unberührt zu bleiben, wenn Susanne Juhnke uns als Leser mitnimmt ins Jahr 2003. Viele ihrer Hoffnungen waren bereits gestorben. Sie wusste, dass es für Harald keine Heilung gab und nichts mehr so werden würde wie es einmal war. Die einzige Hoffnung, die sie sich noch gestattete war die, dass die Demenz nur langsam fortschreiten oder im besten Fall sogar stagnieren würde. Susanne Juhnke besuchte ihren Mann regelmäßig im Pflegeheim. Im Januar 2003 tranken sie im Gemeinschaftsraum einen Kaffee miteinander und Harald schien in relativ guter Verfassung, als er Susanne erzählte, er habe gerade einen Film abgedreht. Dabei wirkte er ausgeglichen und zufrieden. Die Anwesenheit seiner Frau  und die damit verbundene Vertrautheit schienen ihm gut zu tun. Es gab für Susanne aber auch die andere Seite. Man spürt beim Lesen ihre Gefühle, welche Leere sie empfand und wie es war allein auf dem Sofa zu sitzen, um sich die Übertragung des Wiener Neujahrskonzertes im Fernsehen anzuschauen. Harald und Susanne hatten das früher immer zusammen getan, eine von vielen Gemeinsamkeiten und Traditionen, die sie gepflegt hatten. Susanne Juhnke schreibt, dass Gefühle manchmal nicht in Worte zu fassen sind. Damit hat sie sicher recht, aber wie unendlich verloren sie sich vorgekommen sein mag in solchen Momenten, das spürt man auch ohne viele Worte. Durch Eintauchen in dieses Buch erfährt der Leser, dass sich Beziehungen, Krankheit und Liebe nicht in eine Schablone pressen lassen. Eindrucksvoll berührend und sensibel lässt uns Susanne Juhnke teilhaben an ihren ganz persönlichen Erfahrungen. Aber nicht nur das: Sie vermittelt dem Leser beide Perspektiven - die von Harald - und die von Susanne.

Die große Liebe zwischen Susanne und Harald begann im August 1970, sie heirateten am 08. April 1971, für beide war es die zweite Ehe. Hier haben sich zwei Menschen gefunden, die füreinander bestimmt waren. 1972 kam der gemeinsame Sohn zur Welt und das Glück hätte perfekt sein und ewig währen können, wenn...ja wenn nicht der Teufel Alkohol immer wieder sein böses Spiel getrieben hätte. Die Ehe wurde zum Abenteuer. Die Alkoholabhängigkeit trübte das Familienleben, konnte letztendlich aber gegen die innige Verbundenheit dieser einzigartigen und großen Liebe nichts ausrichten. Mein Fazit: Egal was es ist, ob Alkohol, Krankheit oder Tod. Die Liebe ist und bleibt die stärkste Kraft. Sie ist in  der Lage, alles zu überwinden und zu überdauern - selbst den Tod. Egal was passiert: Was bleibt, ist die Liebe!

Dieses Buch ist wie ein Geschenk. Es hat verdient gelesen zu werden!

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