Weissbuch Heilung

Wenn die moderne Medizin nichts mehr tun kann

Von Kurt Langbein

Verlag: Goldmann

Eine Buchbesprechung von Inge Faubet | 14.11.2017

Wenn vom Autor Kurt Langbein die Rede ist, denkt sicher jeder sofort an dessen Bestseller „Bittere Pillen“, eines der erfolgreichsten und  bekanntesten Sachbücher auf dem deutschsprachigen Buchmarkt. Langbein, Jahrgang 1953, gilt als einer der renommiertesten Medizinjournalisten, studierte in Wien Soziologe und arbeitete von 1979 bis 1989 als Redakteur beim ORF. Von 1989 bis 1992 leitete er das Wissenschaftsressort beim Nachrichtenmagazin „profil“. Für sein Engagement und seine kritischen Fernsehbeiträge wurde Kurt Langbein im Jahre 2013 mit dem Axel-Corti-Preis ausgezeichnet.

Der Frage wie es möglich ist, dass Menschen, die als unheilbar krank gelten, plötzlich wieder gesund werden, geht der Autor im „Weissbuch Heilung“ glaubwürdig nach.  Von Spontanheilungen hat jeder schon gehört, auch von den Selbstheilungskräften des Menschen und davon, dass die moderne Medizin irgendwann an ihre Grenzen stößt.  Wenn jemand als austherapiert gilt und trotzdem gesund wird, dann ruft das nicht selten Esoteriker auf den Plan. Selbsternannte Wunderheiler sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Sie behaupten, über übersinnliche Kräfte zu verfügen und bieten ihre Dienste an. Es gibt unzählige Bücher auf dem Markt, die sich mit diesem Thema beschäftigen, in vielen Fällen aber tatsächlich in die esoterische Ecke gehören und beim Leser in Bezug auf die Glaubwürdigkeit einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.

Das Weissbuch der Heilung spielt jedoch in einer anderen Liga. Kurt Langbein begibt sich in seinem Buch vorurteilsfrei auf eine spannende Spurensuche und befragt Patienten, Ärzte, Wissenschaftler und Heiler. Das Buch überzeugt durch fundierte Recherchen und geht dabei weit über die bereits  bekannten und erforschten Vorgänge in der Medizin hinaus. Langbein, der selbst von einer Krebskrankheit betroffen war, will es genau wissen. Der Leser erfährt unter anderem, dass auch Beziehungen ein Risikofaktor sein können, in anderen Fällen aber genau das Gegenteil, nämlich zum Heilmittel werden. Der umfangreiche Quellennachweis, der allein 14 Seiten umfasst, zeugt von einer ernsthaften und glaubwürdigen Auseinandersetzung mit dem Thema Heilung.

Dieses Buch hebt sich wohltuend von einer Unzahl ähnlicher Ratgeber ab.  In 30 Kapiteln erfährt der interessierte Leser auf 285 Seiten, was es mit Spontanheilungen, den Selbstheilungskräften des Menschen, alternativen Heilmethoden, aber auch mit falschen Heilversprechen auf sich hat. Die einzelnen Kapitel sind flüssig zu lesen. Als Nachschlagewerk ist dieses Buch allerdings ungeeignet, denn auf einen Anhang mit Begriffserklärungen bzw. auf ein Glossar wurde verzichtet. Wer also über einen Begriff stolpert und schnell einmal nachschlagen möchte, der wird enttäuscht. Insgesamt mindert das Fehlen eines solchen Verzeichnisses aber nicht den Empfehlungswert dieses Werkes. Der Autor findet klare und fundierte Worte für ein spannendes Thema, das Hoffnung macht. Heilung geht jeden an, den einen mehr, den anderen weniger.

 

 

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